“Der Mensch: ein Rechenfehler der Natur” (Verena von der Heyden-Rynsch)

Wiederentdeckt: der Dichter und Theoretiker E. M. Cioran

Die Zeit, 18. Januar 1980

Vor einigen Monaten ist auf dem deutschen Büchermarkt ein Werk erschienen, das vor 25 Jahren erstmals das Licht der deutschen Literaturwelt erblickte und in kürzester Zeit vergriffen war: „Die Lehre vom Zerfall“ von E. M. Cioran in der Übersetzung von Paul Celan. (Das Verdienst der jetzigen Neuauflage kommt dem Klett-Cotta-Verlag zu. Zur Celanschen Übersetzung sei eine Bemerkung erlaubt. Sie ist dicht und von expressionistischem Farbreichtum, opfert aber teilweise der tiefsinnigen Pointierung die perlende, kristallene Linearität des französischen Originals.)

Vor einem Vierteljahrhundert eine philosophische Provokation und ein stilistisches Glanzstück, ist dieses bedrängende, aufstachelnde Buch noch heute brennend aktuell, denn das Denken, das sich hier niederschlägt und ausformt, zielt auf die Wurzeln menschlichen Seins und dessen philosophische, religiöse oder pragmatische Deutung schlechthin. Hier soll aber nicht dieser Text näher beleuchtet werden, sondern dessen Verfasser, der rumänische Philosoph und Schriftsteller E. M. Cioran… [+]

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